Spontan nach Chicago

Spontan nach Chicago

Die besten Ideen entstehen in den albernsten Momenten. Ende 2017 dachten wir uns es wäre doch cool einen Studienkommilitonen am anderen Ende der Welt zu besuchen. Das bedarf allerdings Zeit und Geld.

Ein halbes Jahr lang scherzten wir immer wieder über diese Reiseidee: Spontan nach Chicago. Über den großen Teich. Amerika! Als Student! Irgendwann fiel auf, dass uns die Zeit wegläuft und das neue Semester bald los geht, im März 2018. Also suchten wir uns einen Timeslot wo es noch verkraftbar ist, ein paar Tage nicht in der Uni zu sein.

Wir buchten also eine Woche Chicago mit Flug von Hannover. Vier Wochen vor Abflug ohne Reisepass. Chicago spontan im April? Was soll schon passieren?

Los ging es, mitten in der Nacht, morgens um fünf Uhr nach Hannover zum Flughafen. Gepäck aufgeben ging zügig und wir hatten noch ca. zwei Stunden Zeit bevor wir in den Flieger konnten. Also sind wir mit ein paar anderen Passagieren noch ein wenig durch den Flughafen geschlendert. Der Reisepass war also noch angekommen… ein Glück!

Alle Flüge machen check-in nur unser nicht

Endlich in der Luft war die Vorfreude riesig! Zwischenstopp war Kopenhagen. Wir machten den Flughafen unsicher und durchstöberten den Duty Free Shop. Nach vier Stunden Aufenthalt und ein paar alkoholischen Leckereien im Gepäck ging es weiter. Vor uns lagen noch acht Stunden Flug über den Atlantik.

Ausbeute

Wir sind am frühen Abend in Chicago gelandet und von unserem Freund eingesammelt worden. Den Weg kannte schließlich keiner von uns. Wir kauften uns eine wieder aufladbare Ventra Karte für den öffentlichen Nahverkehr. Damit kann man in ganz Chicago Busse und Bahnen nutzen. Die Karte ist sehr nützlich, sehr zu empfehlen und ist gegen einen kleinen Pfand zu erhalten. Gepäck brachten wir in unser neues Urlaubszuhause und starteten direkt einen kleinen Besuch in die City. Wir wollten noch etwas essen bevor wir kaputt ins Bett fielen: es gab Ramen.

Um Punkt 4:30 Uhr wachten wir auf. Gleichzeitig. Es wird wohl an der Zeitverschiebung gelegen haben. Mal abgesehen von der Uhrzeit trauten wir unseren Augen nicht als wir draußen vor dem Fenster Schnee sahen… Schnee! Im April?!

Mieses Wetter beim Aufwachen

Das Wetter war den ganzen Tag unglaublich mies, Schneeregen. Also sind wir shoppen gegangen (Rosemont Fashion Outlets) und haben uns lieber drinnen aufgehalten.

Für Sonntag war Brunch mit Kollegen und ein Baseballspiel angesetzt. Das Wetter besserte sich leider keineswegs. Eingehüllt vom Schneesturm fiel das Baseballspiel leider aus und wir verschenkten 40 Dollar.

Doch sehr geknickt sind wir losgezogen, eine Sportsbar zu suchen. Wir tranken Bier, schauten verschiedenste Sportarten im Fernsehen und spielten Beerpong bevor wir mit ein paar wenigen Leuten beschlossen nochmal richtig in die Stadt hineinzufahren. Trotz Kälte bekamen wir eine kleine private Führung durch Chicago. Wir kauften Donuts und besuchten „The Big Bean“ (alias Cloud Gate), ein Klassiker in Chicago und bewunderten die Skyline.

Ein Teil der Skyline
Donuts
Deep Dish Pizza zum Abendbrot

Am Montag haben wir uns wieder dem Wetter angepasst. Bei 3° Celsius gingen wir vor die Tür und versuchten das erste Mal alleine die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Angekommen am Field Museum, verbrachten wir den gesamten Tag hier.

Field Museum Chicago

In der großen Eingangshalle standen zwei ziemlich große Mammuts. Wir schauten uns die Geschichte der Ureinwohner bis zum heutigen Stand an. Inka, Maya, alles was dazu gehörte. Die Ausstellung hat uns am meisten fasziniert. Die Ausstellungsstücke dazu waren unglaublich: alte Gefäße, Nachbauten von Wohnanlagen, Nachbildungen von damaligen Tieren und auch Kleidung. Zum Mittag hielten wir kurz in der Caféteria und aßen jeder einen Burger für teures Geld. Später schauten wir in die Ägypten-Ausstellung. Diese zog sich, beginnend oben auf einer Pyramide, über zwei Etagen hinweg. Wir sind durch die Pyramide selber in das Untergeschoss gekommen. Hier waren viele einbalsamierte Lebenwesen zu finden. Neben den Pharaonen waren auch deren Haustiere und Begleiter zu sehen. Parallel zur ägyptischen Geschichte fanden wir Erklärungen und Abläufe der Einbalsamierung im Untergeschoss.

Blick auf die Eingangshalle
Eine alte Tempelanlage

Wie bei uns auch oft in Naturhistorischen Museen gab es viele ausgestopfte Tiere zu sehen. Dabei spielte es keine Rolle ob Land- oder Wassertiere. Wohl aber das berühmteste Ausstellungsstück stellt das T-Rex Skelett Sue dar. Als wir da waren zog Sue allerdings gerade in ihr neues zu Hause um. So zumindest besagten es die Schilder. Von der Geschichte des Urknalls über die ersten Tiere gelangt man zum ereich der Dinos. Wir konnten den Mitarbeitern zusehen wie sie das Skelett abgebaut haben. Der Raum war komplett sauber, alles abgeriegelt, keine weiteren Ausstellungsstücke und schalldicht. Die Crew hat mit so einer Sorgfalt und Vorsichtig gearbeitet, dass es faszinierend war zuzusehen. Wir beendeten unseren Museumsbesuch mit dem Bereich der Pflanzen und der „Schatzkammer“ mit lauter Edelsteinen aus aller Welt.

Das Skelett von eine Hirsch
Darstellung einer Teeplantage

Zum Nachmittag hin schauten wir uns noch mal ein wenig vor dem Museum um und machten Fotos von der Skyline. Es war eisig, sodass wir es nicht lange am Ufer des Lake Michigan aushielten.

Skyline
Das Planetarium
Unser Abendbrot beim Mexikaner

Dienstag schien die Sonne, ein Traum. Leider hatten wir wieder nur 3° Celsius, wollten jedoch den ganzen Tag draußen verbringen. Wir starteten mit dem Bus in die Stadt zum Navy Pier um dann später in den Zoo zu fahren.

Navy Pier, ein Steg mit einem kleinen Indoor Garten, einem Riesenrad, vielen Essensmöglichkeiten und Geschäften. Am Ende des Stegs gibt es viele Sitz- und Liegemöglichkeiten um die Aussicht zu genießen. Lange konnten wir auch hier nicht bleiben, da wir sonst vermutlich festgefroren wären. Wir holten uns ein Stück Pizza und schlenderten durch den Indoor Garten zurück.

Riesenrad am Navy Pier
Indoor Garten am Navy Pier

Weiter ging es zum Zoo. Der Zoo ist kostenlos und ähnelt einem Park. Leider gab es bei dem Wetter nicht all zu viele Tiere, welche draußen zu sehen waren. Der Zoo ist schön um einfach durchzubummeln und sich umzugucken. Riesig war er nicht, dafür aber kostenlos.

Der See vorm Zoo
Der Zoo

Zum Abend gingen wir zum Willis Tower auf die Aussichtsplattform, dem Skydeck. Wir gingen zu den Fahrstühlen über einen langen Weg, welcher die Geschichte des Towers mit Bildern und Filmen erzählte. Wir hatten Glück und mussten nicht lange anstehen. Die Aussicht von oben war unglaublich. Man konnte in jede Himmelsrichtung über Chicago gucken. Man sah einfach alles. Wir warteten noch bis die Sonne unterging und schauten uns das Spektakel an. Für die Adrenalinjunkies gibt es noch einen Glaskasten außerhalb am Gebäude wo man sich fotografieren lassen kann. Der Boden ist auch aus Glas, man schaut also direkt auf die Stadt runter. Wir haben ein Foto machen lassen und selber noch ein paar Fotos gemacht. Es waren aber nicht alle schwindelfrei, haben es dennoch überlebt.

Aussicht von oben
Aussicht vom Skydeck
Sonnenuntergang
Skyline bei Nacht

Mittwoch früh fielen wir viel zu früh aus dem Bett. Wir hatten noch von Deutschland aus einen Tagesauflug nach Washington D.C. geplant. Wir flogen mit Spirit Airline von Chicago zum Flughafen Baltimore. Da wartete ein Shuttlebus mit dem wir zum Bahnhof fuhren um so in die Stadt zu gelangen. Es war etwas schwierig mit dem Ticketautomaten und dem Fahrplan. Wir verschenkten eine Stunde während wir versuchten ein Ticket zu kaufen. Was das Problem war wissen wir schon gar nicht mehr. Wir vertrieben uns die Zeit in dem wir die Gegend erkundeten. Der Zug fährt von da aus ungefähr 40 Minuten. Ist sehr angenehm und die Aussicht aus den Fenstern ist schon echt schön.

Warten auf den Zug nach Washington D.C.

Alleine der Bahnhof in Washington ist schon ein Besuch wert. Hoch, groß, ein unglaublich schönes Gebäude. Wir mussten uns erstmal orientieren bei der Größe, kamen aber doch relativ schnell zurecht.

Das Bahnhofsinnere

Da unsere Zeit mit nur einem Tag sehr begrenzt war, wollten wir uns alles anschauen was fußläufig erreichbar war. Wir entschieden uns daher für die „National Mall„. In dem Park sind die klassischen Sehenswürdigkeiten zu finden. Zu Fuß braucht man fünf Minuten bevor man vor dem Capitol steht. Der Vorplatz ist riesig. Viele Wachleute achteten darauf, wo sich die Touristen lang bewegen und das ja keiner vom Weg abkommt. Einmal drum herum gegangen lag der Park vor uns.

Capitol
Capitol vom Park aus

Wir haben vorher geschaut, was es alles an der National Mall gibt und fanden unglaublich viele, fast immer kostenlose, Museen. Leider reichte unsere Zeit dafür nicht aus. Ein paar interessante wären für uns dabei gewesen.

So gingen wir vorbei am Washington Monument und genossen die pure Sonne. Immerhin 15° Celsius und reine Sonne! Das Washington Monument kann man von innen besichtigen. Bei uns war allerdings leider Baustelle, da innen renoviert wurde. Also ging es weiter zum Lincoln Memorial. Auf dem Weg dahin kamen wir noch an einem Kriegsdenkmal vorbei, dem World War II Memorial. Eine große Gedenkstätte die sich unbedingt angeschaut werden sollte.

Washington Monument
World War II Memorial Gedenkstein
World War II Memorial
Lincoln Memorial

Auf unserem Rückweg gingen wir zum weißen Haus. Wirklich nah kommt man da nicht heran, irgendwie verständlich. Das Gefühl wirklich mal davor zu stehen ist jedoch nicht in Worte zu fassen. Komisch, man sieht es in so vielen Medien, aber selten in Wirklichkeit.

Wir wollten noch etwas Essen und suchten das Hard Rock Café auf. Wir trafen einen netten Amerikaner der sich freute Deutschen zu begegnen. Wir unterhielten uns viel und mussten uns dann leider viel zu früh verabschieden. Der Flieger wartete schließlich nicht.

Wie nahmen wieder den Zug, fuhren aus der Stadt und mit dem Shuttle zum Bahnhof. Nach einem zweistündigen Flug landeten wir um 23:30 Uhr in Chicago. Von der Sonne wieder in den Schneeregen…

White House

Donnerstag war das spontane Abenteuer in Chicago schon wieder zu Ende. Wir genossen den letzten Tag. Kauften ein paar Mitbringsel und andere Kleinigkeiten ein, hörten Musik, packten Sachen und fuhren um 18 Uhr zum Flughafen. Wir verabschiedeten uns, gaben das Gepäck auf und gingen durch die Sicherheitskontrolle. Um 22:00 Uhr ging unser Flieger nach Kopenhagen und weiter nach Deutschland. Doch etwas k.o. landeten wir gegen 18 Uhr am Freitag wieder in Deutschland und freuten uns, dass kein Schnee lag 😉

Der Reisepass per Express war teuer, das Wetter meist nass und kalt, die Ausflüge anstrengend aber alles in allem war es ein geiles Abenteuer. Wir sind froh das gemacht zu haben!

Eure Burgertraveller

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen