Ein letzter Besuch

Ein letzter Besuch

Es war Januar 2016 als mein Opa mich daran erinnerte, dass seine Schwester dieses Jahr 75 Jahre alt werden würde. Ein letztes mal wollte er sie besuchen. 15 Jahre vorher, bei seiner letzten Reise zu ihr, hatte er ihr dies versprochen. Zu ihrem 75. Geburtstag will er sie in Australien besuchen kommen.

Geburtstagskuchen

Mein Opa wäre zu diesem Zeitpunkt selber 77 Jahre jung und spricht vielleicht fünf Wörter Englisch. Aber was sich ältere Menschen einmal in den Kopf gesetzt haben, das werden sie nur schwer wieder los.
Er fragte mich, seine Enkelin, ob ich ihn nicht begleiten würde. Alleine, so er, könne er diese weite Reise nicht antreten.

Wie weit ist eigentlich weit?

Wenn ihr euch jetzt einmal die Distanz vorstellt: Deutschland – Australien. Wir reden hier nicht von einem Tagesausflug mit dem Auto oder ein paar Stunden mit dem Flugzeug. Sicherlich könnt ihr euch denken wie oft die beiden sich über die letzten Jahre gesehen haben aufgrund der Entfernung.
Also fing ich an zu planen. Vorneweg erstmal die leichten Dinge: Reisepässe. Hatten wir beide, aber waren sie auch noch gültig? Bei meinem hatte ich keine Zweifel. Ich wusste schließlich wann ich ihn beantragt hatte. Aber mein Opa? Ja, irgendwo war seiner. Mit der Hilfe von Oma ließ er sich finden und mein Opa meldete sich ganz aufgeregt, dass sie ihn gefunden hatten

Ok, nächster Punkt auf der Liste: Reisedauer und Reisezeitpunkt. Wie lange bleiben wir? Wann starten wir? Aufgrund der weiten Strecke gehen zu Beginn für den Hinflug schon zwei Tage verloren. Dasselbe gilt auch für den Rückflug. Zusammengerechnet heißt das nun, An- und Abreise kosten 4 Tage. Also ein, zwei oder drei Wochen lohnen sich nicht wirklich bei so einer weiten Strecke. Mein Opa als Rentner hatte zeitlich keine Einschränkungen. Ich jedoch musste erst einmal schauen, wie sich dies mit Uni und Arbeit vereinen ließ. Da der Geburtstag Ende Oktober lag war klar, dass das die grobe Richtung werden würde. Ich ging also in meinem Kopf alle Überlegungen durch. Zu dieser Zeit werden noch Semesterferien sein (wenn wir früh genug starten), passt! Mein Arbeitsverhältnis löst sich Ende Oktober, passt auch mehr oder weniger. Ich beantragte Urlaub von Anfang bis Ende Oktober, mein Jahresurlaub und Überstunden. Somit war ein Zeitraum gefunden. Und wir entschieden uns für volle fünf Wochen Australien.

Benötigen wir eigentlich ein Visum?

Nächster Punkt auf meiner Liste war das Visum. Schnell stellte sich heraus, dass wir lediglich eine Einreiseerlaubnis benötigten. Das lässt sich über die Seite vom Australian Government beantragen und nennt sich eVisitor. Das gilt für Reisende die weder arbeiten noch studieren wollen, sondern lediglich Urlaub machen wollen für weniger als 90 Tage am Stück (Stand: Januar 2016). Ein grosser Vorteil, es ist kostenlos und lässt sich einfach über das Internet beantragen. Aufgrund er Sprachbarriere meines Opas übernahm ich diesen Part. Meine Bescheinigung war in weniger als 24 Stunden da. Die von meinem Opa kam nicht. Doch nach vollen 9 Tagen und ein paar Anrufen kam die Bescheinigung endlich an. Was das Problem war? Wieso es so lange gedauert hat? Ich weiß es nicht!

Alles klar, es fehlten noch ein paar Punkte von der To-do-Liste: medizinische Versorgung, Programm vor Ort, Flug. Ich fragte meinen Opa was er sich angucken möchte, ob er Wünsche hätte. Einmal noch nach Sydney sagte er. Das passte, die Idee fand ich super. Wir einigten uns auf ein paar Tage Sydney und Melbourne bevor es die Ostküste hoch Richtung Brisbane zur Familie gehen sollte. Mit diesem Plan gingen wir ins Reisebüro.

Reisebüro oder by myself?

Eigentlich ziehe ich es vor, sowas eigenständig im Internet zu buchen. Wie viele von uns dies heutzutage ebenso machen. Ich muss jedoch gestehen, die Angst das es meinem Opa gesundheitlich vor oder während der Reise nicht so gut geht war mir einfach groß. Diese Verantwortung wollte ich für den Fall der Fälle abgeben. Wäre ein Notfall eingetreten, hätte ich eine Anlaufstelle gehabt, die mich hätte unterstützen können.

Die nette Dame aus dem Reisebüro hat uns gut beraten, viele Flüge rausgesucht und letztendlich hat sie sich noch um unsere beiden Hotels und den Transfer gekümmert. Natürlich alles in Absprache!
Somit hatten wir erstmal alles, was uns Richtung Ozeanien transportiert. Wir durften ins Land und wir hatten ein Dach über dem Kopf.
Es begann nun doch etwas komplizierter zu werden. Die medizinische Versorgung oder eher der medizinische Check lag an. Ich ließ mich gegen Hepatitis impfen und prüfte alle meine Impfungen, damit ich, was das betraf, vorbereitet war. Bei meinem Opa war dies doch etwas schwieriger. Er war allerdings so lieb, mich mit zu seiner Ärztin zu nehmen und hob mir gegenüber die Schweigepflicht auf. Das anfängliche Chaos wich somit relativ schnell und sie sah keine Probleme, dass mein Opa diese Reise antreten konnte. Voraussetzung, er nimmt seine Medikamente! Sie schrieb alles auf Rezepte, händigte uns zwei Medikamentenpläne aus und wünschte uns viel Spass auf diesem Abenteuer.

Es kann los gehen …

Wie ihr euch sicher denken könnt hat das nun alles etwas gedauert. Die Familie hatte diverse Male gefragt, ob wir uns denn sicher sein. So befanden wir uns mittlerweile im April 2016. Derweil überlegte ich mir was wir uns anschauen wollten und buchte noch einen Mietwagen für einen Tag in Melbourne. Anschließend kümmerte ich mich um einen internationalen Führerschein und die Vorfreude wuchs unausweichlich.
Und irgendwann war es dann endlich so weit…

Bis dahin,
Liebe Grüsse!

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